Märkte & Konjunktur

Onlinehandel Einkaufsverhalten 2026: Was sich dauerhaft verändert

Onlinehandel Einkaufsverhalten 2026: Marktplätze und Smartphone dominieren, Temu und Shein verlieren. So stellst du dein Unternehmen auf die neuen Gewohnheiten ein.

12.10.2026

9 Min. Lesezeit

Smartphone zeigt Suchergebnisse auf dem Bildschirm

Wie verändert der Onlinehandel Einkaufsverhalten und Erwartungen deiner Kundschaft, und was davon bleibt dauerhaft? Die Zahlen für 2026 zeigen ein klares Bild: Online wächst weiter, aber langsamer und anders als in den Boomjahren. Marktplätze gewinnen, Billigplattformen aus Asien verlieren nach dem Ende der Zollfreigrenze deutlich, und Kundinnen und Kunden kaufen immer öfter per Smartphone.

In diesem Artikel erfährst du, welche Verschiebungen im Einkaufsverhalten von Dauer sind, welche Rolle KI, Social Media und neue Zollregeln spielen und wie du als Händler, Hersteller oder Dienstleister darauf reagierst.

Onlinehandel Einkaufsverhalten: die Kurzantwort

Der Onlinehandel hat das Einkaufsverhalten in Deutschland dauerhaft verändert: Rund 13,5 Prozent des Einzelhandelsumsatzes entfallen laut HDE inzwischen auf den Onlinekanal, knapp sieben von zehn Online-Euros fließen über mobile Geräte. Kunden recherchieren digital, vergleichen Preise in Sekunden und erwarten schnelle Lieferung. Stationäre Geschäfte bleiben wichtig, müssen sich aber mit digitalen Angeboten verbinden.

Für dich heißt das: Es geht nicht mehr um online oder offline, sondern darum, an jedem Kontaktpunkt eine überzeugende Erfahrung zu bieten.

Die wichtigsten Zahlen zum Onlinehandel 2026

Person scrollt auf dem Smartphone durch einen Shop – Onlinehandel Einkaufsverhalten mobil Die Branche wächst, doch das Tempo schwankt. Diese Kennzahlen helfen dir, die Entwicklung einzuordnen:
  • Umsatz 2025: Laut HDE-Online-Monitor 2026 setzte der Onlinehandel in Deutschland 2025 netto 92,3 Milliarden Euro um, ein Plus von 3,9 Prozent.
  • Onlineanteil: 13,5 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes entfallen auf den Onlinekanal.
  • Prognose 2026: Der HDE erwartet für den Onlinehandel ein nominales Wachstum von 4,3 Prozent, für den stationären Handel nur 1,6 Prozent.
  • Mobile: 69 Prozent der Onlineumsätze laufen über Smartphones und Tablets.
  • Marktplätze: Über Plattformen wie Amazon, eBay oder Otto lief 2025 mehr als die Hälfte des Onlineumsatzes.
Die Quartalszahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) zeigen, wie wechselhaft 2026 verläuft. Im zweiten Quartal wuchs der Online-Warenumsatz noch um 5,1 Prozent auf 21,2 Milliarden Euro. Im dritten Quartal legte er nur um 2,9 Prozent auf rund 18,5 Milliarden Euro zu. Der Verband verweist auf die eingetrübte Konsumstimmung durch steigende Energiepreise und schwächere Einkommenserwartungen.

Wie sich das Einkaufsverhalten dauerhaft verschiebt

Hinter den Umsatzzahlen stehen Gewohnheiten, die sich verfestigt haben. Wer verstehen will, wie der Onlinehandel Einkaufsverhalten prägt, sollte diese Trends kennen.

Ältere Zielgruppen kaufen selbstverständlich online

Die Zahl der Online-Shopper stieg 2025 laut HDE um 1,2 Prozent, bei den über 55-Jährigen sogar um 3,1 Prozent. Menschen, die in jüngeren Jahren online einkaufen gelernt haben, behalten diese Routinen im Alter bei. Für dich bedeutet das: Die Annahme, ältere Kunden erreiche man nur im Laden, stimmt immer seltener.

Das Smartphone ist der Hauptkanal

Allein über Smartphones setzte der Onlinehandel 2025 rund 35,6 Milliarden Euro um. Kunden kaufen unterwegs, auf dem Sofa und zunehmend im Laden selbst, wenn sie Preise vergleichen. Ein Shop, der mobil nicht reibungslos funktioniert, verliert Umsatz, bevor du es merkst.

Waren des täglichen Bedarfs wandern ins Netz

Besonders stark wachsen Kategorien, die lange als stationäre Domäne galten. Im zweiten Quartal 2026 legten Waren des täglichen Bedarfs online um rund zehn Prozent zu, Medikamente von Versandapotheken um knapp 14 Prozent und Drogeriewaren um fast zwölf Prozent. Wer einmal Windeln, Tierfutter oder Medikamente bequem nach Hause bestellt hat, bleibt oft dabei.

Marktplätze bündeln die Nachfrage

Kunden starten ihre Suche zunehmend direkt auf großen Plattformen. Marktplätze wuchsen im zweiten Quartal 2026 um 6,4 Prozent, klassische Onlineshops nur um 3,8 Prozent und Multichannel-Händler mit stationären Wurzeln um 2,5 Prozent. Reichweite und Logistik der Plattformen sind attraktiv, doch Händler zahlen dafür mit Gebühren und Abhängigkeit.

Preisbewusstsein bleibt hoch

Nach Jahren hoher Inflation vergleichen viele Menschen Preise konsequenter als früher. Rabattaktionen, Preisvergleichsportale und Gutscheine prägen den Kaufprozess. Wie du trotzdem Preise anpasst, ohne Kunden zu verlieren, liest du im Beitrag zu Inflation und Preisen in den Branchen.

Lieferung und Rückgabe entscheiden mit

Kunden vergleichen nicht nur Preise, sondern auch Lieferzeiten, Versandkosten und Rückgabebedingungen. Eine verlässliche Zustellung mit Sendungsverfolgung ist längst Standard. Wer hier enttäuscht, bekommt schlechte Bewertungen und verliert Wiederkäufer.

Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Kosten von Rücksendungen, ökologisch wie wirtschaftlich. Immer mehr Händler setzen auf bessere Größenberatung, detaillierte Produktfotos und ehrliche Beschreibungen, um Retouren gar nicht erst entstehen zu lassen. Manche verlangen inzwischen Gebühren für Rücksendungen. Ob das funktioniert, hängt davon ab, wie transparent du es kommunizierst.

Bezahlen soll schnell und sicher sein

Beim Bezahlen zählen Tempo und Vertrauen. Kunden erwarten ihre gewohnten Verfahren, von Rechnung und Lastschrift über Wallets bis zu Kauf-auf-Raten-Angeboten. Fehlt die bevorzugte Zahlungsart, brechen viele den Kauf ab. Prüfe deshalb regelmäßig, welche Verfahren deine Zielgruppe nutzt, und halte den Bezahlprozess so kurz wie möglich.

Temu, Shein und die neue Zollregel

Kaum ein Thema hat den Onlinehandel 2025 und 2026 so beschäftigt wie der Aufstieg asiatischer Billigplattformen. Laut HDE haben 65 Prozent der Deutschen schon einmal im Ausland bestellt, knapp die Hälfte davon in China. Im zweiten Quartal 2026 kamen Temu, Shein und AliExpress auf 5,3 Prozent des deutschen Onlineumsatzes, im Modebereich auf mehr als 16 Prozent der Bestellungen.

Seit dem 1. Juli 2026 gilt in der EU jedoch keine Zollbefreiung mehr für Sendungen bis 150 Euro. Laut EU-Kommission wird bis Juli 2028 ein pauschaler Zoll von 3 Euro pro Warenposition fällig. Die Wirkung kam schnell: Im dritten Quartal brachen die Umsätze der drei Plattformen in Deutschland laut bevh um 35,5 Prozent ein, ihr Marktanteil sank auf 3,1 Prozent.

Was das für heimische Händler bedeutet

Der Rückgang der Billigplattformen hat heimischen Anbietern bisher kaum zusätzliche Umsätze gebracht. Das zeigt: Kunden, die vor allem auf den Preis schauen, wandern nicht automatisch zu teureren Alternativen. Sie kaufen weniger oder warten auf Angebote. Wer profitieren will, muss mit Qualität, Service und Vertrauen punkten, nicht mit einem Preiskampf, den er nicht gewinnen kann.

KI und Social Commerce verändern die Produktsuche

Person bezahlt mit Karte am Laptop beim Online-Einkauf Die Suche nach Produkten verlagert sich. Neben Suchmaschinen und Marktplätzen gewinnen KI-Assistenten und soziale Netzwerke an Bedeutung. Auch hier zeigt sich, wie der Onlinehandel Einkaufsverhalten Schritt für Schritt neu formt.
  • KI-Recherche: Laut HDE nutzen bereits 35 Prozent der Menschen in Deutschland KI zur Produktrecherche, etwa um Angebote zu vergleichen oder Bewertungen zusammenzufassen.
  • KI-Agenten: Einer bevh-Erhebung zufolge würden etwa neun Prozent der Onlinekäufer einen KI-Agenten selbstständig für sich einkaufen lassen. Noch ist das eine Minderheit, aber der Trend ist erkennbar.
  • Social Commerce: Empfehlungen von Creatorn und Influencern, Kurzvideos und Shopping-Funktionen in sozialen Netzwerken prägen vor allem Mode, Kosmetik und Lifestyle.
  • Bewertungen: Kundenrezensionen bleiben eine der wichtigsten Entscheidungshilfen und werden zunehmend von KI ausgewertet.
Für dich bedeutet das: Produktdaten, Beschreibungen und Bewertungen müssen so strukturiert sein, dass Menschen und Maschinen sie verstehen. Welche KI-Werkzeuge sich für kleinere Unternehmen lohnen, zeigt unser Beitrag zu KI im Mittelstand.

Was der stationäre Handel daraus lernen kann

Frau mit Einkaufstüten in der Innenstadt als Gegenpol zum Onlinehandel Die Innenstadt ist nicht am Ende, aber ihre Rolle verändert sich. Kunden besuchen Geschäfte zunehmend für Beratung, Erlebnis und sofortige Verfügbarkeit. Wer diese Stärken mit digitalen Angeboten verbindet, gewinnt.
  • Click and Collect: Online reservieren und im Laden abholen verbindet Bequemlichkeit mit persönlichem Kontakt.
  • Lokale Sichtbarkeit: Ein gepflegtes Unternehmensprofil mit Öffnungszeiten, Sortiment und Bewertungen ist für viele Kunden der erste Kontakt.
  • Beratung als Produkt: Fachwissen, Anprobe und Service sind Argumente, die kein Onlineshop vollständig ersetzt.
  • Regionale Marke: Wer als vertrauter Anbieter vor Ort wahrgenommen wird, ist weniger austauschbar. Wie das gelingt, beschreiben wir am Beispiel von Handwerksbetrieben im Beitrag Handwerksbetrieb als regionale Marke.

So reagierst du als Unternehmen auf das neue Einkaufsverhalten

Wie stark der Onlinehandel Einkaufsverhalten in deiner Branche beeinflusst, kannst du an deinen eigenen Daten ablesen. Ob du einen Onlineshop betreibst, über Marktplätze verkaufst oder vor allem stationär arbeitest: Mit diesen Schritten stellst du dich auf die veränderten Gewohnheiten ein.
  1. Kundenreise analysieren: Finde heraus, wo deine Kunden suchen, vergleichen und kaufen. Werte Shopdaten, Suchanfragen und Kundenfeedback regelmäßig aus.
  2. Mobile first umsetzen: Prüfe Ladezeit, Navigation und Checkout auf dem Smartphone. Jede zusätzliche Eingabe kostet Abschlüsse.
  3. Kanäle klug mischen: Marktplätze bringen Reichweite, der eigene Shop Marge und Kundendaten. Eine Kombination reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Plattformen.
  4. Produktdaten pflegen: Vollständige, strukturierte Angaben verbessern die Auffindbarkeit in Suchmaschinen, auf Marktplätzen und in KI-Assistenten.
  5. Liefer- und Retourenprozesse optimieren: Transparente Lieferzeiten, verlässliche Zustellung und einfache Rücksendungen schaffen Vertrauen.
  6. Sicherheit ernst nehmen: Onlineshops sind beliebte Angriffsziele. Grundlagen zum Schutz findest du in unserem Beitrag zur Cybersicherheit für kleine Unternehmen.
Beachte bei Preisaktionen, Bewertungen und Zollfragen die geltenden Regeln. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

Fazit: Wie der Onlinehandel Einkaufsverhalten neu definiert

Der Onlinehandel prägt Einkaufsverhalten dauerhaft, aber nicht mehr im Tempo der Boomjahre. 2026 zeigt eine reifere Branche: Marktplätze und das Smartphone dominieren, Alltagsprodukte wandern ins Netz, und die neue EU-Zollregel bremst die Billigplattformen spürbar aus. Gleichzeitig dämpft die schwache Konsumstimmung das Wachstum.

Für dich als Unternehmen lautet die Aufgabe, Kunden dort abzuholen, wo sie suchen und kaufen. Verbinde digitale Sichtbarkeit mit Service, gute Daten mit persönlicher Beratung und Reichweite mit eigener Kundenbeziehung. Dann wird der Wandel im Einkaufsverhalten zur Chance statt zur Bedrohung.

Häufige Fragen zu Onlinehandel und Einkaufsverhalten

Wie hoch ist der Anteil des Onlinehandels am Einzelhandel in Deutschland?

Laut HDE-Online-Monitor 2026 entfallen rund 13,5 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes in Deutschland auf den Onlinehandel. 2025 setzte die Branche netto 92,3 Milliarden Euro um. Der Anteil schwankt stark nach Branche: Bei Mode und Elektronik ist er deutlich höher, bei Lebensmitteln und Drogeriewaren zwar niedriger, wächst dort aber zuletzt besonders schnell.

Wie verändert der Onlinehandel das Einkaufsverhalten?

Kunden recherchieren digital, vergleichen Preise sofort und erwarten schnelle, transparente Lieferung. Das Smartphone ist zum wichtigsten Einkaufsgerät geworden, und Marktplätze bündeln einen wachsenden Teil der Nachfrage. Auch ältere Menschen kaufen selbstverständlich online. Zunehmend nutzen Verbraucher KI-Assistenten und soziale Netzwerke, um Produkte zu finden und Kaufentscheidungen vorzubereiten.

Warum verlieren Temu und Shein in Deutschland an Umsatz?

Seit dem 1. Juli 2026 gilt in der EU keine Zollbefreiung mehr für Sendungen bis 150 Euro. Bis Juli 2028 wird pauschal ein Zoll von 3 Euro pro Warenposition erhoben. Laut bevh sanken die Umsätze von Temu, Shein und AliExpress in Deutschland im dritten Quartal 2026 um 35,5 Prozent, ihr Marktanteil fiel auf 3,1 Prozent.

Welche Produkte kaufen Deutsche zunehmend online?

Besonders stark wachsen Waren des täglichen Bedarfs. Im zweiten Quartal 2026 legten laut bevh Medikamente von Versandapotheken, Drogeriewaren, Lebensmittel und Tierbedarf jeweils deutlich zu. Mode bleibt eine der umsatzstärksten Kategorien. Schwächer entwickeln sich dagegen größere Anschaffungen wie Möbel, Lampen und Dekoration, die stärker von der Konsumstimmung abhängen.

Was sollten kleine Händler jetzt tun?

Kleine Händler sollten ihren Auftritt konsequent auf das Smartphone ausrichten, Produktdaten sorgfältig pflegen und Marktplätze gezielt als zusätzlichen Kanal nutzen, ohne sich abhängig zu machen. Lokale Sichtbarkeit, persönliche Beratung und Click and Collect sind starke Argumente gegenüber reinen Onlineanbietern. Ein Preiskampf mit Großplattformen ist dagegen selten zu gewinnen.

Welche Rolle spielt KI beim Online-Einkauf?

KI wird zum Rechercheinstrument: Laut HDE nutzen 35 Prozent der Menschen in Deutschland KI zur Produktrecherche. Einen KI-Agenten selbstständig einkaufen zu lassen, kann sich bislang aber nur eine Minderheit vorstellen. Für Händler heißt das, Produktinformationen so aufzubereiten, dass KI-Systeme sie korrekt erfassen und wiedergeben können.